Am 20. September 2009 wurde im niederösterreichischen Umland von Wien ein Stück Mobilitätsgeschichte geschrieben – mit Augenzwinkern und ernstem Hintergrund zugleich. Zwischen 10:55 und 13:50 Uhr, also in knapp drei Stunden, transportierten rund 400 bis 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer 29,29 Tonnen Zuckerrüben über eine 2,9 Kilometer lange, ebene Strecke zur Zuckerfabrik des Unternehmens Agrana – ausschließlich per Fahrrad und damit allein mit Muskelkraft.
Die Idee dahinter
Die Aktion „Wir radln die Rüben rüber“ war mehr als ein Gaudium. Sie machte auf anschauliche, fast spielerische Weise sichtbar, wie viel sich ohne Motor bewegen lässt, wenn viele Menschen zusammenwirken. Der Transport eines klassischen landwirtschaftlichen Erzeugnisses – der Zuckerrübe – per Fahrrad stellte das gewohnte Bild vom motorisierten Gütertransport auf den Kopf und rückte Muskelkraft und Gemeinschaft in den Mittelpunkt.
Die Zahlen
- Datum: 20. September 2009
- Transportierte Menge: 29,29 Tonnen Zuckerrüben
- Strecke: 2,9 Kilometer, ebenes Gelände
- Dauer: rund 3 Stunden (10:55 bis 13:50 Uhr)
- Teilnehmende: etwa 400 bis 450 Personen
- Antrieb: ausschließlich Muskelkraft per Fahrrad
Zuckerrüben und die Region
Die Zuckerrübe hat im östlichen Österreich eine lange Tradition. Jeden Herbst beginnt die sogenannte Rübenkampagne, in der die Ernte aus den Feldern des Marchfelds, des Tullnerfelds und des Weinviertels zu den Zuckerfabriken gebracht wird. Üblicherweise übernehmen das schwere Lkw und Traktoren – ein Sinnbild für energieintensiven Gütertransport. Genau dieses Bild griff die Aktion auf und stellte ihm bewusst das leiseste, sauberste Transportmittel gegenüber, das es gibt: das Fahrrad.
Dass ausgerechnet ein landwirtschaftliches Schwergut wie die Zuckerrübe per Muskelkraft bewegt wurde, machte den Kontrast greifbar. Die Botschaft war nicht, dass künftig alle Rüben mit dem Rad gefahren werden sollen, sondern dass sich über Transport und Mobilität neu nachdenken lässt – mit Humor, aber mit ernstem Kern.
Organisation und Gemeinschaft
Eine Aktion dieser Größenordnung funktioniert nur als Gemeinschaftsleistung. Hunderte Helferinnen und Helfer, abgesperrte Streckenabschnitte, ein durchdachter Ablauf vom Verladen über den Transport bis zur Übergabe an der Fabrik – all das verlangte Planung und Zusammenhalt. Genau darin liegt der zweite, oft übersehene Aspekt nachhaltiger Mobilität: Vieles gelingt nur, wenn viele mitmachen. Was bei einem Weltrekord als Spektakel sichtbar wird, gilt im Kleinen auch für Fahrgemeinschaften, gut genutzte Busse oder volle Park-&-Ride-Anlagen.
Warum das bis heute passt
Der Rüben-Rekord steht sinnbildlich für das, worum es auch beim Verkehrssparen geht: Wege anders zu denken. Was als gemeinschaftliche Aktion begann, illustriert ein ernstes Prinzip – dass sich ein erheblicher Teil der Transporte und Wege mit weniger Energie bewältigen lässt, wenn man Muskelkraft, Rad und Gemeinschaft mitdenkt. In diesem Sinn reiht sich die Aktion in die Idee einer nachhaltigen, sparsamen Mobilität ein, wie sie auch das Projekt Verkehrssparen Wienerwald verfolgt.
Wer das Auto nutzt, kann zumindest sparsam fahren – wie das gelingt, zeigen die Eco-Driving-Tipps. Und einen Überblick über Verkehr und Mobilität im Großraum Wien gibt die Startseite.