Der Wienerwald ist Naherholungsgebiet und Wohnregion zugleich. Seine Gemeinden – von Purkersdorf und Gablitz über Pressbaum bis Klosterneuburg – sind eng mit Wien verflochten: Wer hier wohnt, arbeitet häufig in der Stadt. Das erzeugt starke Pendlerströme, die sich morgens und abends auf wenigen Straßen bündeln. „Verkehrssparen“ ist der Versuch, diese Last zu verringern, ohne die Mobilität der Menschen einzuschränken.
Was bedeutet „Verkehrssparen“?
Verkehrssparen heißt nicht, auf Wege zu verzichten, sondern sie effizienter zurückzulegen. Eine Autofahrt allein im Pkw ist die platz- und energieintensivste Variante, von A nach B zu kommen. Wird derselbe Weg mit dem Zug, im vollen Bus, in einer Fahrgemeinschaft oder mit dem Rad zurückgelegt, sinken Energiebedarf, Flächenverbrauch und Emissionen pro Person deutlich. Verkehrssparen bündelt also alle Maßnahmen, die Wege vom Einzel-Pkw auf effizientere Verkehrsmittel verlagern oder ganz vermeiden.
Unter genau diesem Stichwort lief in den Gemeinden westlich von Wien ein mehrjähriges regionales Modellprojekt mit dem erklärten Ziel, Autofahrten und damit CO₂-Emissionen spürbar zu reduzieren. Großes Gewicht lag dabei auf Bewusstseinsbildung – also darauf, Alternativen sichtbar und attraktiv zu machen.
Die Verkehrslage im Wienerwald
Die Region ist topografisch anspruchsvoll: bewaldete Hügel, enge Täler, gewachsene Ortskerne. Der Verkehr konzentriert sich entlang der Täler auf wenige Hauptachsen – etwa die Westeinfahrt (B1) Richtung Wien oder die Verbindungen zur A1 Westautobahn. Das macht diese Strecken im Berufsverkehr besonders anfällig für Staus. Gleichzeitig erschwert die zersiedelte Besiedlung einen dichten Bustakt: Nicht jede Streusiedlung lässt sich wirtschaftlich im Halbstundentakt bedienen.
Aus dieser Ausgangslage ergibt sich die zentrale Herausforderung: Der öffentliche Verkehr muss dort gestärkt werden, wo viele Menschen ähnliche Wege haben, während für dünner besiedelte Lagen flexible Lösungen gefragt sind.
Ansätze zur Verkehrsreduktion
Öffentlichen Verkehr verzahnen
Der wirksamste Hebel ist ein gut abgestimmtes Netz aus Schnellbahn, Regionalbus und städtischem Verkehr. Wenn Bus und Bahn aufeinander warten, statt knapp aneinander vorbeizufahren, wird der Umstieg attraktiv. Express-Buslinien auf den Hauptachsen können Pendlerinnen und Pendler schneller zur nächsten Bahnstation bringen. Details dazu auf der Seite Öffentlicher Verkehr im Wienerwald.
Park & Ride
Wer aus einer schlecht angebundenen Lage kommt, muss nicht die ganze Strecke fahren. Park-&-Ride-Anlagen an Bahnhöfen ermöglichen es, das Auto am Ortsrand abzustellen und den staugeplagten Stadtteil mit der Bahn zu erreichen – oft schneller als mit dem Auto bis ins Zentrum.
Fahrgemeinschaften
Zwei bis vier Personen in einem Auto halbieren bis vierteln den Verbrauch pro Kopf und reduzieren die Zahl der Fahrzeuge auf der Straße. Mitfahrplattformen und betriebliche Fahrgemeinschaftsbörsen senken die Hürde, passende Mitfahrende zu finden.
Rad- und Fußverkehr für kurze Wege
Ein erheblicher Teil der Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Für solche Strecken sind Rad und – mit dem Aufkommen von E-Bikes auch in hügeligem Gelände – elektrische Unterstützung eine echte Alternative. Sichere Radwege und Abstellanlagen an Bahnhöfen verbinden das Rad mit dem öffentlichen Verkehr.
Betriebliches Mobilitätsmanagement
Arbeitgeber haben großen Einfluss: Jobtickets, flexible Arbeitszeiten zur Entzerrung der Spitzen, Homeoffice-Tage und Fahrgemeinschaftsförderung verändern das Mobilitätsverhalten ganzer Belegschaften.
Bewusstseinsbildung
Viele Wege werden aus Gewohnheit mit dem Auto zurückgelegt, obwohl es Alternativen gäbe. Informationskampagnen, Schnuppertickets und Aktionen wie autofreie Tage machen die Optionen erlebbar – ein Kernanliegen des regionalen Modellprojekts.
Was Gemeinden und Pendler konkret tun können
- Gemeinden: Taktverdichtung auf Hauptachsen anstoßen, Park-&-Ride und sichere Radabstellanlagen ausbauen, Mikro-ÖV (Anrufsammeltaxi, Gemeindebus) für Streulagen prüfen.
- Betriebe: Jobticket anbieten, Fahrgemeinschaften organisieren, Homeoffice und gleitende Arbeitszeit ermöglichen.
- Pendler: einmal pro Woche umsteigen, eine Fahrgemeinschaft gründen, kurze Wege mit dem Rad erledigen – jede vermiedene Autofahrt zählt.
Wirkung auf Klima und Kosten
Schon eine Verlagerung von 10 Prozent der Autofahrten reduziert Stau, Lärm und CO₂ messbar – genau diese Größenordnung nannte das regionale Modellprojekt als Ziel. Für die Einzelnen rechnet sich der Umstieg doppelt: Wer einen Teil seiner Wege öffentlich oder per Rad zurücklegt, spart Spritkosten und nutzt die übrigen Autofahrten dank der Tipps auf der Seite Eco-Driving noch effizienter. So greifen Verkehrssparen und Spritsparen ineinander.
Den größeren Rahmen – Verkehrslage in Wien und sparsame Mobilität insgesamt – steckt die Startseite ab. Wie sich das Auto, wenn es denn fährt, sparsamer bewegen lässt, zeigt der Spritspar-Überblick.