| Im Jahr 1997 wurde im Niederösterreichischen
Landesverkehrskonzept das Projekt "Verkehrspargemeinde" vorgestellt. Die Idee,
Gemeinden verstärkt zur Lösung der Verkehrsprobleme einzubinden
und dabei insbesondere auf Bewusstseinsbildung zu setzen, fand in der Stadtgemeinde
Langenlois großen Zuspruch. Schließlich wurde Langenlois als "Modellgemeinde"
für jene 95% der niederösterreichischen Orte ausgewählt, die
weniger als 7.000 Einwohner haben.
Im Projektzeitraum
(1999 bis 2002) wurden durch bewusstseinsbildende Maßnahmen sanfte
Mobilitätsformen schmackhaft gemacht und die Vorteile für den Einzelnen
und für die Allgemeinheit verdeutlicht. Im "Verkehrsparhandbuch" werden
alle Maßnahmen so dargestellt, dass sie von anderen Gemeinden leicht
übernommen werden können. Die Auswirkungen des Projektes wurden
durch Befragungen und Verkehrszählungen genau analysiert.
Das
Projekt wurde bisher mit folgenden Preisen ausgezeichnet:
- Mobilitätspreis
1999 "Gut angekommen"
- Preis des Wettbewerbes
"Lokale Agenda 21" mit dem Projekt "Nahkaufinitiative &
Einkaufen mit dem Rad"
- Sonderpreis
für den Europaweiten Autofreien Tag 2000
- Auswahl als Best
Practice - Projekt der OECD im Jahr 2000
- Nominierung
zum "NÖ-Meilenstein-Zukunftspreis" im Jahr 2002
Merkmale des Projektes:
- Die Förderung der
lokalen Wirtschaft war/ist ein gleichrangiges Ziel. Eine attraktive Einkaufs-
& Freizeitinfrastruktur sowie möglichst viele lokale Arbeitsplätze
sind Grundvoraussetzungen des Verkehrsparens.
- Die Motivation zum Verkehrsparen
stand/steht im Vordergrund ("Verkehrsparen beginnt im Kopf!"). Im Rahmen der
ersten Zwischenerhebung (Ende 1999) stimmten 34% der Bevölkerung (Autofahrer:
44%!) der Aussage zu, dass es auch ohne "Zwang" (d.h. ohne neue Vorschriften)
möglich ist, eine umweltfreundliche Verkehrsmittelwahl zu erreichen.
- Sowohl die Projektorganisation
als auch die Motivationsstrategien waren/sind auf eine nachhaltige Wirkung
ausgelegt. "Verkehrsparen" blieb auch nach dem Projektzeitraum ein wesentlicher
Bestandteil des Leitbildes der Gemeinde.
- Es gab/gibt keine Restriktionen
für Autofahrer.
- Die einzelnen Maßnahmen
durften keine hohen Kosten verursachen, da sie von anderen Gemeinden leicht
nachvollziehbar sein sollten. Motto: "Gute Ideen statt hohe Kosten".
Maßnahmenbeispiele:
Das Langenloiser
Projektteam „Verkehrsparen“ realisierte bisher gemeinsam mit den Projektbetreuern
DI Petra Völkl und Mag. Michael Praschl folgende Maßnahmen:
- Monatliche Tagungen des
Verkehrspar-Projektteams zur Entwicklung und Durchführung der einzelnen
Maßnahmen und zur generellen Verankerung des Verkehrsparens in der
Arbeit der Gemeinde. (1999 bis 2002)
- Aktion "Radfahrer werden
geblitzt": Aus 70 monatlich zufällig fotografierten Radfahrern wird
ein Radfahrer des Monats gezogen und erhält einen Einkaufsgutschein
im Wert von ÖS 500.- (€ 36) (1999 bis 2002)
- Jährliche Ideenwettbewerbe:
bisherige Themen: „Förderung des Radfahrens“, „Werbeplakat für das
Zu-Fuß-Gehen“, "Einkaufen im Ort", „Betriebliches & schulisches
Verkehrsparen“ (1999 bis 2002)
- Regelmäßige
Verkehrspar-Artikel in der Gemeindezeitung, starke Medienpräsenz in
Lokalzeitungen (1999 bis 2002)
- Nahkaufinitiative &
Einkaufen mit dem Rad: Gemeinsame Werbeaktion der Langenloiser Wirtschaft
+ spezielles Bonussystem für das Einkaufen mit dem Rad. (2001)
- Aktion "Zu Fuß":
Die Langenloiser Ärzte stellen Rezepte für flotte Fußmärsche
aus. (2001, Neuauflage mit Plakaten und Transparenten im Jahr 2002)
- Aktion "Verkehrsparen-Mitfahren"
in Schiltern: Zusteige-Mitnahme-System mit Rückfahrgarantie durch ein
Anruf-Sammel-Taxi (AST). (2001, 2002)
- Montage attraktiver Radständer
im Ortszentrum (2001 und 2002)
- Langenloiser Verkehrsparbroschüre
(1. Auflage: Frühjahr 1999, 2. Auflage: Sommer 2002), Verteilung an alle
Haushalte
- Teilnahme am Europaweiten
Autofreien Tag & erster Biodiesel-Tag Österreichs (2000)
- Projekt "Langenlois testet
Elektroräder": 33 Langenloiser testeten jeweils 14 Tage lang Elektroräder.
Dadurch kamen viele auf den Geschmack, gerenell wieder mehr mit dem Rad (auch
ohne Motor) zu fahren (2000)
- Aktion "Gratis Radservice":
Vergabe von 60 Gutscheinen für ein Radservice bzw. zur Mobilisierung
älterer Räder. (2000 und 2002)
- Initiative "In die Schule
mit dem Rad": Motivation der Lehrer, für die Fahrt zur Schule vermehrt
das Rad zu verwenden. (2000)
- Verkehrsparkongresse
(1999, 2000, 2002)
- Jährliche Verkehrsparfeste
im Frühjahr (1999, 2000, 2001: Verkehrspar- und Nahkauftag)
- Eröffnung und Beschilderung
der Grünen Achse: Die Grüne Achse ist eine 6km lange, verkehrsberuhigte
Verbindung durch den ganzen Ort, ideal für Radfahrer. (1999)
- Kongress zum Thema "Fußgänger"
(2000)
- Betriebliches Verkehrsparen:
Entwicklung von Verkehrsparmaßnahmen in Betrieben bzw. Organisationen
unter Beteiligung der Mitarbeiter (2002): Raiba-Langenlois, Sparkasse-Langenlois,
Landesberufsschule Bau, Stadtgemeinde
- Schulisches Verkehrsparen:
Arbeiten mit Schülern („Mobilitätserziehung“) und Lehrern („umweltbewusste
Zurücklegung der Arbeitsweges) (2002)
Erfolgsmessung:
Das Modellprojekt
wurde nun von einem unabhängigen Verkehrsplanungsinstitut (Dr. Max Herry)
genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse wurden erstmals beim Kongress
„4 Jahre Modellprojekt Verkehrsparen Langenlois“ am 28.11.2002 präsentiert:
- Im Zuge des vierjährigen
Modellprojektes konnte der Anteil der Autofahrten an allen Wegen der Bevölkerung
ab 18 Jahre von 63% auf 54% gesenkt werden. Der Anteil der Radfahrten stieg
hingegen von 3% auf 14%. Die als Pkw-Lenker erbrachte Verkehrsleistung –
d.h. die mit dem Pkw zurückgelegten Entfernung – der Langenloiser Bevölkerung
ging um rund 4% zurück. Legten die Langenloiser 1998 noch insgesamt
158.000 km pro Werktag mit dem Auto zurück, so waren es im Jahr 2002
nur mehr 152.000 km. Der CO2-Ausstoss konnte von 33 Tonnen auf 31 Tonnen
pro Werktag vermindert werden.
Projektfinanzierung:
Durchführung
der Befragungen und Verkehrszählungen:
Unser Motto:
Verkehrsparen
- aber nur wenn es leicht geht!
Es geht nämlich erstaunlich oft wirklich leicht
und macht sogar Spaß!
Weiterführende
Informationen: www.vspar.at
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